Aus - Lamberts Bay. 30.10.-4.11.

Aus - Lamberts Bay. 30.10.-4.11.

 

30.10. _ 30. Tag.  Und wieder ein Tag ohne Wolken und mit blauem Himmel. Bei 2° C fahren wir in Aus los, die Temperaturen steigen jedoch schnell. Wir wollen zu den Wildpferden  bei Garub, und haben Glück, denn soeben galoppieren viele Pferde, manche mit Fohlen im Schlepptau, aus der Weite zum einzigen Wasserloch. Eines der Fohlen wirkt sehr erschöpft  und legt sich nach dem Trinken gleich auf den Boden. Zwei dominante Hengste donnern wiehernd und provozierend mehrfach aneinander vorbei...

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Wir staunen über die kraft und Dynamik der Tiere. Niemand weiss sicher, woher die Wildpferde stammen. Es wird jedoch vermutet, dass sie aus den „Deutsch-Südwestafrika-Zeiten“ stammen und von den kapitulierenden Deutschen zurückgelassen wurden.

Kurz darauf erreichen wir Kolmanskop, die stillgelegte Diamantengräberstadt. Gerade noch rechtzeitig, um an einer Führung teilzunehmen. Die heutige Geisterstadt Kolmanskop liegt in einem kargen, noch heute gesperrten Bezirk in der Namibwüste. Auf alten Fotos sehen wir Menschen, die Diamanten einfach vom Boden auflesen, so zahlreich waren diese.


Beeindruckt fahren wir weiter, durchfahren noch kurz die berühmte Stadt Lüderitz, besichtigen die Lüderitz Waterfront an der Hafen Strasse wo Weisse und Schwarze deutsch sprechen, und beziehen auf der Halbinsel Shark Island unseren Platz hinter einer windumtosten, schützenden, niedrigen  Steinmauer direkt  am Atlantik.

Die Felsen zwischen uns und dem Meer laden zum Erkundungsgang ein. Wir können nicht widerstehen. Später in der Dunkelheit sitzen wir mit einer heissen Schale Kaffee in der Hand im Wohnmobil und beobachten warm eingepackt die vorbeiziehenden Schiffe auf dem Meer. Nach vielen Hitzetagen werden wir uns heute Nacht erstmals zwei Zusatzdecken genehmigen, denn es ist kalt geworden.

 

31.10. _ 31. Tag. Am Morgen trennen wir uns nur ungern von diesem luftigen Ort auf Shark Island. Vor uns liegen 370 km Fahrt inkl. 12 km Pad. Kaum auf der Landstrasse, werden wir von heftigen, viel Sand mitführenden Windböen erfasst. Hohe Konzentration beim Fahren ist angesagt, damit es uns nicht von der Strasse weht. Endlich nehmen die Böen ab und wir entspannen uns. Die Temperaturen schnellen in die Höhe. Danach wiederholt sich wieder und wieder dasselbe Spiel: Die Landschaft steigt an, ein neues Tal mit weissgelben Grasflächen, umrahmt von Bergen zeigt sich im besten Licht. Nächstes Ziel: Giants Playground. Die braunen Riesensteine sehen tatsächlich wie von Giganten aufgetürmte bizarre Gebilde aus. Ein unwirkliches Gefühl befällt uns, als wir auf einem dieser Haufen sitzen.

Nun ist es nur noch ein kurzes Stück zurück zu einer Farm beim Köcherbaumwald.

Wir ergattern einen wunderschönen Platz neben einem schattenspendenden Baum und sind begeistert… und sehen von unserem Platz aus schon all diese Köcherbäume, eben den Köcherbaumwald.  Köcherbäume sind eigentlich Agaven, mit dicken sich nach oben verjüngenden Stämmen und Ästen wie Kandelabern. Diese skurrilen Bäume sehen aus wie einem Science Fiction entsprungen. Ihren Namen verdanken sie den San, den Buschmännern, welche aus den Ästen Köcher für ihre Jagd herstellen. Mit Begeisterung steuern wir auf diesen Wald zu und entdecken viele gut genährte Klippschliefer, die sich auf den roten Riesensteinen sonnen.

Abends treffen wir uns mit Monika und Dieter zum gemütlichen Plaudern, Grillen und Rotwein schlürfen, bevor wir in die Betten fallen.  Das Leben kann sooo schön sein.

 

1.11. _ 32. Tag. Kurz nach Keetmanshoop beginnt der Pad, welcher die Reiseteilnehmer wieder 2 Ersatzreifen kostet. Unsere Reifen halten das Gepolter zwar aus, aber - vielleicht abgelenkt durch die pitoreske Gras- und Buschlandschaft mit gigantischen aufeinander geschichteten Steinhaufen - verfahren wir uns und müssen eine grosse Strecke wieder zurückfahren. Kurz vor dem Zwischenziel, dem Canyon Roadhous mit lustiger Innendeko aus alten Autos und anderem,

 

kommt uns schon Sifisio entgegen, auf der Suche nach uns Vermissten. Einiges Gepolter später stehen wir auf der Aussichtsplattform und bewundern den gewaltigen Fish River Canyon

tief unten im Tal. Er soll der zweitgrösste Canyon der Welt sein, nach dem Grand Canyon in Arizona. Der Weg hat sich gelohnt. Weiterfahrt nach Ai – Ais zu einem Campingplatz mit Thermalbad.

 

2.11. _ 33. Tag. Beglückt erfahren wir, dass heute die letzte Fahrt auf Pad auf uns wartet. Der nochmals zwei Ersatzreifen als Tribut fordert. Heute verlassen wir Namibia, das uns liebgeworden ist. Und geniessen bewusst  noch ein letztes Mal die weiten Flächen. Das Land wirkt in so vielen Gebieten menschenleer. Ist es ja wohl auch, mit seinen zwei Mio. Einwohnern auf einer Fläche Deutschlands. Doch die Menschen benötigen hier viel Fläche für ihre Tiere, denn das karge Land gibt wenig her. Zügiger Grenzübertritt von Namibia nach Südafrika. Wir treffen ein im gemütlichen CP in Springbok. Zum Tagesausklang bei Kerzenschein, vor der Kulisse der Steinbrocken-Hügel, bei Halbmond und klarer Sternennacht,  beobachten wir kleine putzige Tiere, welche auf Brosamen aus sind. Lustiges Detail: in den Baderäumen sind die WC-Deckel und Wasserbehälter liebevoll mit sauberen, gerüschten Stoffen überzogen.

 

3.11. _ 34. Tag. Anfangs sehen wir noch vereinzelt Köcherbäume. Je seltener diese zu sehen sind, desto grüner scheint uns die Landschaft. Ungefähr 19 km vor Lambert’s Bay sinken die Temperaturen sehr schnell von 33° auf 22° C ab. Wir erreichen Lambert, eine typische kleine Hafenstadt mit einer Fisch- u. Pommesfabrik. Auf Anhieb finden wir den Caravan Park und stellen das Wohnmobil ab. Wir haben die Halbinsel „Bird Island, im Fokus, auf der eine riesige laute Tölpelkollonie beheimatet ist. Wenig später haben wir die Halbinsel erreicht und beobachten beeindruckt die halsbrecherischen und zielsicheren Landemanöver der Tölpel

und das anschliessende zärtliche Begrüssungsprozedere der Tölpelpaare.

Auch Kormorane sind zu sehen. Im Hafenbecken ankern Kähne, welche mit riesigen Schläuchen den Sand nach Diamanten absuchen, welche aus dem Fluss, welcher hier mündet, geschwemmt werden. Abends pilgern wir zum Hafen und geniessen im Restaurant „Isabelles“ sehr guten Fisch. Überall im Ort gibt es Krabben- bzw.Crayfishrestaurants. Leider haben wir es jedoch versäumt, die hiesigen Krabben zu probieren. I

m Nachhinein bedauere ich das.

 

4.11. _ 35. Tag. Lamberts Bay. Noch im Schlafanzug hören wir draussen Ausrufe. Und sehen vom Fenster aus zwei Wale, einer grösser, der andere kleiner, die scheinbar gemächlich vor der Küste schwimmen.  Ob es eine Mutter und ihr Junges ist? Ein mayestätischer Anblick.

Die Wale tauchen unter und wieder auf. In ihrer Nähe springen nun mehrere Delphine graziös durch die Luft und verschwinden in einem eleganten Bogen im Wasser.

 

5.11._36. Tag. Morgens, noch während der Dämmerung, lassen wir das Meer nicht aus den Augen, in der Hoffnung, noch vom Bett aus Wale beobachten zu können. Doch weder Wale noch Delphine sind zu sehen. Hat das raue Meer sie von der Küste vertrieben?