Menschen, die in Trailern leben. 14.6.2013

Menschen, die in Trailern leben. 14.6.2013

Immer wieder auf unserer USA Reise, insbesondere auf dem momentanen CG fällt uns auf, dass sehr viele Amerikaner auf Campingplätzen leben. Eingangs lieferte uns das Buch von Joey Goebel, Titel "Heartland" vom Diogenes Verlag, das wir zufälligerweise gerade auf dieser Reise lasen, gutes Anschauungsmaterial, da sein Held zeitweise in einem Trailer lebte.

Hellhörig wurden wir jedoch erst, als eine Jeepfahrerin mich fragte, ob wir permanent in unserem Wohnmobil leben. Als ich verneinte, war sie erstaunt und meinte, hier sei das sehr oft so. Seither sehen wir des öfteren, dass ganze sogenannte Trailerparks nur mit permanent dort lebenden Menschen besetzt sind. Sie alle haben etwas gemeinsam: sie wirken alle ziemlich schmuddelig. Seit gestern sind wir in einem als RV Park bezeichneten CG. Wir fühlen uns hier ziemlich hin und hergerissen, was unser Sicherheitsgefühl betrifft. Der Platz, den wir gefunden haben gefällt uns sehr, da dessen Baum uns wunderbaren Schatten und Schutz vor der sengenden Sonne spendet. Doch gestern abend schlichen so eigenartige Gestalten vorbei, dass sogar Marcel meinte, es wäre besser, wenn immer einer von uns stets beim Wohnmobil bliebe. Die Leute fahren hier Autos, deren Lack sich schon vor langer Zeit verabschiedet hat und wahrscheinlich aus den 60-ern stammen. Vermutlich sind die Meisten hier arbeitslos oder leben von Gelegenheitsjobs. Am Ende unseres Blickfeldes haust z.b. ein symphatischer junger Schwarzer, der gestern bis tief in die Nacht rostige Rohre und andere alt aussehende Teile an uns vorbeitrug. Er betreibt dort hinten eine Art Reparaturwerkstatt und hat ein trailergrosses Lager neben seinem Trailer, in dem er offenbar lebt. Immer mal wieder waren Leute bei ihm, die etwas montierten. So sah es jedenfalls aus. Uns gegenüber lebt ein Paar in den Sechzigern in einem Wohnwagen. Ausnahmsweise ein recht gepflegter Pick Up steht daneben. Der Mann erzählte Marcel gestern, er lebe permanent hier und liebe einfach die Wärme. Links von ihm lebt eine junge Frau in einem Trailer. Es steht ein Kinderfahrrad herum. Ein Hund kommt manchmal aus dem Trailer raus und macht daneben sein Geschäft, das sie jedoch entfernt. Sie hat es sich gemütlich eingerichtet. Unter ihrem Baum neben dem Trailer steht eine Holzballustrade, ein Tisch mit Stühlen und ein schön aufgeschichteten Steinhaufen, der nachts bunt beleuchtet ist. Etwas weiter entfernt wohnt ein symphatisches Paar, das uns freundlich anlächelt. Uns mit Zahnärzten wohlversorgte Schweizer faszinierte, dass der Mann der oben gar keine Zähne mehr hat, doch unten immerhin noch ein paar schwärzliche Stumpen. Ihre wenigen Zähne leuchten geradezu zwischen den dunklen Lücken. Von den meisten Menschen hier kriegt man nur morgens und abends etwas zu sehen, nämlich wenn sie zu den wenig geputzten Duschen gehen. Sie leben in ihrem klimatisierten Trailern und verlassen diese kaum. Vielerorts tropft das Wasser, weil niemand die Dichtungen ersetzt. Dies in einem Gebiet, wo Wasser knapp ist. Viele haben es offenbar aufgegeben, Ordnung um den Trailer zu halten und es liegt viel Gerümpel darum herum. Doch vielleicht sieht es ja nur wie Gerümpel aus und die Leute brauchen die Sachen noch?  Wir sind auf jeden Fall froh, hier ja nur für rd. 14 Stunden gelandet zu sein. Allerdings ist uns bewusst, dass die Trailerleute hier wenigstens ein Dach über dem Kopf und eine feste Adresse haben. Jemand mit fester Adresse, ist im Vorteil gegenüber denen, die auf der Strasse leben.

Heute morgen beim Frühstück im Schatten unter dem Baum fühlten wir uns super wohl hier. Man grüsste sich freundlich. Trotzdem, es ist ein eigenartiger Ort.