Waterberg - Swakopmund. 15.10.- 23.10.

Waterberg - Swakopmund. 15.10.- 23.10.

 

15.10. _ 15. Tag.  Unser nächstes Ziel: der Waterberg. Doch vorher muffelndes Wasser vom Wassertank abgelassen. Frisches Wasser eingefüllt. Von „unseren Mädels“, zwei mitreisenden Damen grosszügig mit Hygienemittel ausgestattet, bekämpfen wir die Bakterien im Tank. Unterwegs zeigt sich die Kalahari von ihrer grün-beigen Seite. Im Hintergrund gesprenkelte Hügel. Unterwegs Schnitzlermarkt in Okahandja besucht. Wir erstehen handwerklich gut gemachte Holzfiguren und eine Kette mit Armband für Tochter Evi. Heute erstmals Schotterstrasse / Pad gefahren. Es ist wie Fahren auf Wellblech. Für uns bewährte sich: ca. 70 - 80 kmh, nicht bremsen, möglichst in der Mitte des Pad bleiben und genügend Abstand zum Vormann halten. Nach 4 Stunden kommen wir im romantischen Camp unter dem Waterberg an.

      
Ein Fahrzeug von Mitreisenden gräbt sich in den Sand und wird gemeinsam ausgebuddelt. Abends tummelt sich eine grosse Schar langgliedriger Mungos unter den ausladenden Bäumen. Sie sind drollig und erinnern an Erdmännchen. Wunderschöne Reisenglanzstare mit blaugrünem Gefieder picken im Gras.

 

16.10. _ 16. Tag. Bevor wir weiterfahren geht’s grüppchenweise auf den Waterberg. Voller Elan sind wir beide dabei. Begegnen ein paar grossen Pavianen, welche uns kalt mustern. Und verlaufen uns. Hans, ein österreichischer Mitreisender und ich beginnen die Felsen raufzuklettern. Die anderen pfeifen uns zurück. Ok. Bald zeigt sich der richtige Pfad und kurz danach sind wir oben und geniessen den Ausblick über das weite baumbewachsene Land. Beim Abstieg sehen wir kaninchengrosse putzige Klippschliefer. Schwer vorstellbar, dass sie von Elefanten abstammen sollen. Ein Tier wacht, während die anderen schlafen. Weiter unten turnen Paviane herum. Abfahrt gegen 10 h. Ziel: Tsumeb. Wir rollen zügig auf der gut ausgebauten Strasse, als wir eine riesige Rauchwolke in der Ferne erblicken. Wir fahren weiter und direkt auf die Wolke zu. Dann dichter Rauch. Feuer lodert auf beiden Seiten.

Dann sind wir durch. Aufatmen! Lange schwarz verbrannte Erde auf beiden Seiten. Tage später lesen wir vom Tod vieler Tiere in diesem Gebiet. Darunter auch Elefantenfamilien und Löwen. Sie konnten sich wegen der Zäune nicht retten. Nach 3 h in Tsumeb angekommen. Im Resort im Pool gemütliche Runden gedreht. Danach gemeinsames Grillen und Essen bei Froschgesang.

 

17.10. _ 17. Tag.  Weiterfahrt zum Minen-Museum in Tsumeb. Viele Maschinen und Hilfsgeräte stehen hier, welche in der Deutsch-Südwestafrikazeit aus Deutschland importiert wurden. Darunter eine Lok. Sehen viele alte und neuere Fotos von Eingeborenen und Eingewanderten. Interessant, wie die Menschen sich mit der Zeit verändert haben.

Bevor wir im Nationalpark eintreffen, lesen wir nochmals: „Nie das Fahrzeug im Park verlassen, nur in den Camps“. „Bei Pannen warten, bis jemand kommt. Andere Fahrzeuge können im nächsten Camp Hilfe herbeirufen“.

Wir passieren den Eingang zum Etosha Nationalpark im Fort Namutoni, dem tierreichsten NP Afrikas, reservieren unseren Platz im Camp und ziehen voller Freude, jetzt endlich auf eigene Faust im NP etwas unternehmen zu können, los. Mit Hilfe unsere Infobroschüre finden wir per Wohnmobil in Kürze zu zwei Wasserlöchern. Kaum angekommen taucht dicht neben unserem Fahrzeug ein Elefant auf und trottet zum Wasserloch. Weitere Tiere treten wie Schauspieler auf der Bühne zum Wasserloch: Zebras, Springböcke, einige Dikdiks, mehrmals Trappen, SekretäreTokovögel und Rebhühner. Abends geniessen wir ein feines Znacht im Restaurant.

 

18.10. _ 18. Tag. Weiter innerhalb des Etosha NP im Camp Halali.  Um 4.30 h. Ich stehe alleine am Beobachtungsplatz innerhalb des Camps, von welchem ein Wasserloch eingesehen werden kann. Höre andächtig die hallenden Geräusche der Nacht: dunkles Fauchen, Getrappel, Stampfen, Geckern, Wiehern usw. Eine grosse Zebraherde erscheint. Einzelne Zebras rangeln miteinander. Zurück. Frühstück. Dann, immer noch früh, Fahren auf eigene Faust zu diversen Wasserlöchern. Das Seh-Jagdfieber hat uns. An manchen Löchern ist tote Hose, andere sind voller Leben. Wir sehen mayestätische Oryx/Gemsböcke mit langen geraden Hörnern, wachsame Zebragruppen, einen Streifenschakal, welcher einen Vogel erwischt und frisst, Elefanten, Antilopen. Es riecht sehr streng. Die Schlaglöcher auf der Schotterpiste schütteln uns kräftig durch. Doch all diese wilden stolzen Tiere in freier Wildbahn zu sehen ist unbeschreiblich eindrucksvoll. Zurück bei über 42°C. Dann grosse Aufregung.

Es brennt um`s Camp.

Renate gibt Anweisung zur Formation in der Mitte des Camps, weg von den Büschen und Bäumen am Rand. Niemand verlässt das Camp, denn gerade dort wird es gefährlich! Grosse Aufregung! Kinder schreien. Wir werden informiert, im Camp könne es nicht brennen, da bewusst kein Gras darin wächst. Hm? Aber die Tankstelle am Rand zum Busch kann doch brennen? Als das meiste Buschwerk ums Camp abgebrannt ist, Entwarnung, Aufatmen.

 

19.10. _ 19. Tag.  Frühmorgens auf dem Weg zum Etosha NP im Camp Okaukuejo wieder an diversen Wasserlöchern gehalten. Unterwegs Zebras, Springböcke, Elefanten, Oryxe, Schakale, giraffen, 3 Löwen und 1 Löwin gesehen. Letztere faucht uns an, bevor sie im Busch verschwindet.

Zurück im Camp beobachen wir hektisches Treiben anderer Reisender mit grossen Allrad-Safaribussen. Wir ergattern einen Platz für unser Wohnmobil unter einem Baum, was uns nichts nützt, da die Sonne falsch steht. Ich muss gleich zur Balustrade beim Wasserloch und sehe das erste, sehr angriffslustige wilde Nashorn, welches wutschnaubend mehrmals versucht, unsere gesicherte Balustrade zu stürmen. Später ein herzzerreissendes langes Elefantendrama. Eine Elefantenmutter, eine Tante und ein junger Bulle, der verstossen wurde und wieder zurück zur Herde will. Wie einfühlsam die Mutter den verzweifelt aufbegehrenden etwa 8 – 10-jährigen doch wieder und wieder umarmt. Die Tante, die sich schliesslich vom Wasserloch wegdreht und so zeigt, dass es ist Zeit, zu gehen. Die Bühne leert sich bis auf den verlassenen Bullen. Zwei Nashornpaare tauchen auf der anderen Seite auf, formieren sich. Der frustrierte Elefantenbulle stürmt auf sie zu. Die Nashornbullen senken kampfbereit das Horn. Der ernüchterte Elefantenbulle dreht elegant ab und verschwindet im Busch. Später taucht nochmals ein Nashornbulle mit seinem Weibchen auf. Nach dem Trinken donnert er dominant schnaubend um das Wasserloch. Eine strenge Duftwolke kitzelt unsere Nase. Beide verschwinden wieder im Busch.

 

20.10. _ 20. Tag. Bevor wir frühmorgens nach Kamanjab aufbrechen, gehe ich nochmals zum Wasserloch und bewundere den wunderbaren Sonnenaufgang. Ausser Schakalen sind keine Tiere zu sehen, jedoch viele zu hören. Wir fahren und sehen Strausse, Oryxe,

samt Schakal und einigen Zebras. Marcel mault, er habe nun genug Zebras gesehen. Ich jedoch könnte jedoch noch ewig weitermachen. Wir verlassen den Etosha NP.  Kurz vor Kamanjab sehen wir in einem eingezäunten Bereich einen Babyelefanten zwischen Kühen rumtollen. Offenbar wird er dort aufgezogen. Kaum im Camp angekommen, wird mir megaschlecht. Gefühltes endloses Erbrechen. Wohl ein Hitzestich.

Abends brennt es wieder im Etosha. Der Rauch treibt bis zu uns und verdunkelt den brandroten Himmel. 

    

                                                                                                                        
Hier soll keine Gefahr bestehen, trotzdem sind Brandwachen aufgestellt. Grund der vielen Brände: Im Vorjahr regnete es häufiger als sonst. Das Gras wuchs länger als sonst. Die Tiere konnten das Gras nicht runterfressen. Das Vorjahresgras blieb lang, ist trocken und verursachte grössere und gefährlichere Brände. 

 

21.10. _ 21. Tag. Mir geht’s wieder besser  und die Fahrt  weiter. Nach einer extraschönen Portion Staub erreichen wir die Gelbingen Farm, wo ein Himbaclan lebt. Die Himbas gehören zum Stamm der Herero. Sie leben seit ein paar Jahren in einem separaten Bereich auf der Farm, welche von Weissen geführt wird. Touristen können ihr Dorf ansehen, dürfen jedoch weder in die Hütten hineinsehen, noch sie betreten. Fotos sind erlaubt. Am Ende einer Besichtigung bauen die Frauen einen kleinen Markt auf und bieten auf ihre stolze Art ihre schönen selbstgemachten Hand- und Schnitzarbeiten an. Dieses Angebot bringt ihnen einen guten Nebenerwerb ein, der sie von ihren Männern unabhängig macht. In der Mitte des Dorfes steht ein Kral,

in welchem Ziegen gehalten werden.

Die Himbafrauen leben hier mit ihren Kindern ihr traditionelles Leben, während ihre Männer im angestammten Gebiet ihre Kühe hüten und dort umherziehen. Die Himbas sind sehr selbstbewusste und schöne Menschen.

Sie reiben sich von Kopf bis Fuss mit einer selbst angefertigten roten Creme aus Butterfett, Ockerfarbe und dem aromatischen Harz des Omuzumba-Strauches ein. Diese schützt vor Stechmücken und dem extrem heissen, trockenen Klima und hält die Haut geschmeidig. Sobald ein Bursche zum Mann wird, benutzt er die Paste nicht mehr. Für den Neuaufbau ihrer Haartracht benötigen die Frauen mehrere Tage. Die Frisur zeigt den Status der Himbas an.
Lustiges Detail: Die Frauen benutzen Handys. Energiespender sind kleine Sonnenkollektoren, welche an den Hütten hängen.

Beeindruckt fahren wir weiter. Unser Ziel ist Omaruru. Dort beziehen wir im Umaruru Rest Camp  einen schönen Platz unter einer grossen Akazie. Abends werfen wir den Grill an, essen, plaudern und bewundern die Geräusche der afrikanischen Nacht. 

 

22.10. _ 22. Tag. Wir bleiben in Omaruru, machen einen Rundgang und faulenzen ein wenig, ergänzen unsere Vorräte. Begeistert greife ich in die Regale des SuperSPAR. Sehe deutsch angeschriebene Dosenwurst, Hüttenkäse, Pumpernickel, schweres Vollkornbrot, Frankfurter Würstchen, Kuchen. Man merkt, dass es hier viele deutschstämmige Namibier gibt und sie sich diese teure Waren leisten.

                                     
Omaruru ist charmant, die Einheimischen verkaufen und handeln frische Milch, Feuerholz, Kartoffeln, Zwiebeln am Strassenrand. In den Nebenstrassen sehen wir in die ungekühlten Läden der schwarzen Bevölkerung hinein. Wir erregen Aufsehen und verschwinden. Fühlen uns wie Voyeure.

 

 Nachmittags besuchen wir eine der drei Weinkellereien Namibias. Während der Weinprobe erzählt uns der Besitzer, sie seien im Aufbau und der Weinanbau rentiere noch nicht. Der neue gelernte Winzer aus Deutschland ist hochwillkommen.

 

23.10. _ 23. Tag. Heute geht’s an vegetationsloser Dünenlandschaft vorbei, teils auf dem Trans Kalahari Highway weiter, nach Swakopmund, einer schönen Stadt zwischen der Wüste Namib und dem Atlantik. Innerhalb kurzer Zeit fallen die Temperaturen von 32° auf 19° C in Swakopmund. Wir erfahren: Weht der Wind vom Atlantik, wird es kalt, weht er vom Festland, wird es heiss. Wir parken unsere Wohnmobile auf dem Campingareal und starten zu Fuss in die Stadt. --
..Und bewundern viele alte gut gepflegte ca. hundertjährige deutsch angeschriebene Häuser.