Seidenstrasse Teil IV

KIRGISTAN. Grenzübertritt und grenzwertige Passfahrt 3‘545 m üNN. ChatyrKoelSee. 27.8.2015

Heute verliessen wir China und fuhren über die Turugart-Passhöhe in Kirgistan ein. 6 ½ Stunden dauerte es, bis wir das Grenzprozedere hinter uns hatten. Danach passierten wir noch drei Kontrollen, das letzte Mal auf der Passhöhe, wobei uns sanfter Schneeregen begleitete. Wir hatten eine Sondergenehmigung für diesen Grenzübergang, den normalerweise nur Lastwagen benutzen.Auf der landschaftlich wunderschönen, jedoch wegen der tiefen Löchern und Querrillen schwer zu befahrenden Passstrasse Richtung Kirgistan, begleitete uns ein Fluss, welcher seine Farbe von rostbraun auf beige bis klasklar wechselte, je höher wir kamen. Die Strasse war so schlecht, dass manche teils die seitliche Naturstrasse benutzten. Auch wir taten dies, standen jedoch plötzlich vor einer grossen tiefen Glunke, die wir niemals hätten durchqueeren können. Doch auf der anderen Seite fand sich ein besserer Übergang, den ich jedoch sicherheitshalber erst barfuss durchqueerte, bevor Marcel mit dem Fahrzeug durchfuhr. Als...

Tasch-Rabatt. 3‘100m üNN. War es eine ehemalige Karawanserei, eine Räuberburg oder eine Poststation? 28.8.2015.

Auf der Fahrt nach Tasch-Rabatt, Region Naryn, der höchsten, kältesten und am dünnsten besiedelten Gegend Kirgistans,  kamen wir ob der Schönheit der kirgisischen Bergwelt nicht aus dem Staunen heraus. Nach 95 km schwer zu befahrender Strasse erreichten wir den Parkplatz vor der ehemaligen Karawanserei Tasch-Rabatt an. Oder war es eine ehemalige Räuberburg? Die Experten sind sich nicht einig. Während ich meine 4. Übelkeits- und Durchfallwelle durchlitt, besichtigte Marcel mit der Gruppe das trutzige Anwesen. 

Nähe Dolon Pass. Ein einsames gefesseltes Pferd auf 2‘750m üNN.29.8.2015.

Schlechte Strassen, aber wunderschöne Berglandschaften begleiteten uns auf unseren Nachtplatz in der freien Natur in der Nähe des Dolon Passes. Wir lagerten auf einem steinigen Weg etwas abseits der Passstrasse. Einzig ein Pferd, welches an den Vorderbeinen zusammengebunden war, war zu sehen. Es gibt hier sicher grosse Raubtiere. Nicht auszudenken, was dann mit dem gefesselten Pferd geschehen würde. Die Geldautomaten in Naryn verweigerten uns die Herausgabe von Som, der kirgisischen Währung. Gut, dass wir wenigstens unser Startgeld für’s Tanken und etwas Lebensmittel hatten.

Issikul See, Südufer. Filzen in einer Frauenkooperative. 2 Wohnmobile im Sand eingegraben. 1‘625m üNN. 30.8.-1.9.2015.

Unterwegs machten wir Halt in Kochkor, wo wir einer Kirgisin beim Filzen zusahen. Die kirgisischen Teppiche aus Filz, gemacht nach alter Tradition und mit ungefärbter Wolle, bleiben viele Jahrzehnte schön, wenn man sie pflegt. Die kirgisischen Halbnomaden benutzen diese als Bodenabdeckung in den Jurten. Leider wird die Wolle heutzutage oft chemisch gefärbt, verblasst jedoch schnell. Wir durften bei der Gestaltung eines kleinen Musterstücks helfen. Resultat siehe Fotogallerie. Wir erstanden zwei schöne Seidenschals mit zarten Filzstreifen. Kensche, unsere kirgisische Begleiterin, hatte uns bereits an der Grenze vor den oft schlechten Strassen in Kirgistan gewarnt. Und: es stimmt! Dafür bewunderten wir schon von weitem den türkisfarben leuchtenden Issikul See. Er hat dieselbe Färbung wie der Brienzer See und ist der Stolz der Kirgisen. Unser Platz für zwei Tage lag an der „Stillen Bucht“ auf einem Naturplatz am Wasser. Am nächsten Tag wurde eifrig repariert und ersetzt, denn Kristina...

Bischkek, kirgisische Hauptstadt und kirgisische Musik. 2.-4.9.2015.

Nach einem überreichen Seabridge-Essen überraschte uns die Tourleitung mit kirgisischer Musik, die sehr an die mongolische erinnerte. Kensche, unser kirgisisches Teammitglied informierte uns, dass die Kirgisen ursprünglich aus dem Altai-Gebirge stammten. Mittlerweile besteht die Bevölkerung jedoch aus einem Vielvölkergemisch.  Beim Durchgang durch den Osch-Basar, einen der grössten hiesigen Basare, füllten wir unsere Vorräte wieder auf. Leider regnete es wähenddessen so heftig, so dass wir mehr als einmal in eine Pfütze landeten.

3-Pässe-Fahrt und Toktogul-See. 5.9.2015.

Wieder eine 3-Pässe-Fahrt der Superlative. Wir durchfuhren die Toe Arbuut Pass (2‘564 m), den Ökmök-Pass (3‘330 m) und den Ala-Bel-Pass mit 3.330m mit atemberaubender Fernsicht und wilden Höhenrücken. Hier schlagen viele der kirgisischen Halbnomaden ihre Lager auf und übersömmern mit ihren Schafen, Geisen, Pferden, Kühen und hier und da auch Jaks. In den höheren Lagen wurden bereits Vorbereitungen zum Abzug getroffen. Die obersten Behausungen waren sogar schon verschneit. Gegen Ende der heutigen Tour gings lange durch die Chichkan-Schlucht Richtung Toktogul-See.

Morgens Feueralarm am Toktogul-See, nachmittags Irrfahrt durch Osch und ein Unfall. 6.-7.9.2015.

Ich hatte gerade die Dusche anstellt, als Draussen jemand rief:“Im Hotel brennts“ und wir sahen dicken Qualm aus einem der oberen Zimmer des Hotel streichen. Irgendjemand hatte den brennenden Fernseher aber schnell gelöscht. Der Schreck sass uns jedoch in den Knochen und so verliessen wir kurz darauf das Gelände und frühstückten unterwegs. Wieder folgte eine wunderschöne Fahrt durch die kirgisische Bergwelt und das usbekisch geprägte Ferganatal. Ab Kara-Köl wand sich die teils wellige Asphaltstrasse ca. 60 km in unzähligen Kurven den Fluss Naryn entlang. ..Alles ging gut, bis wir die quirrlige Stadt Osch erreichten. Wir waren schon eine Weile hinter Michael, einem anderen Mitfahrer gefahren und folgten diesem in die Stadt hinein. Leider war die vom GPS vorgesehene Strasse nicht befahrbar. So fuhren wir in die nächstgelegene Strasse, welche sich nach wenigen Metern jedoch sehr verengte. Wir folgten Michael weiter in diese Gasse, bis es wegen der drängelnden PW’s nicht mehr weiterging....

USBEKISTAN. Von Osch/Kirgistan über die Grenze nach Usbekistan. 8.9.2015.

Der Grenzübertritt von Kirgistan nach Usbekistan kostete uns einen ganzen Tag, hätte jedoch ohne weiteres auch 2 Tage dauern können. Aber alles ging gut, unsere Fahrzeuge wurden nur kurz kontrolliert. Wir freuten uns alle, als „drüben“ Dima, unser usbekisches Teammitglied - er hatte uns bereits von Lettland bis Sibirien begleitet - sowie sein Schwager Ararat auf uns wartete und uns ebenfalls bei den Grenzformalitäten half. Abends gabs dann Plof, ein Reisgericht mit Fleischstücken, das jedoch allen schwer auf dem Magen lag. Ob’s die Aufregungen wegen des Grenzübergangs waren oder wegen dem verwendeten Baumwollöl?. Später haben wir jedoch bekömmlicheren Plof bekommen.

Taschkent, Baumwollernte und das Erdbeben von 1960. 9.-10.9.2015.

Da die Baumwollernte bald beginnt, herrscht schon jetzt Benzin- und Dieselmangel in Usbekistan, obwohl die Ernte erst am 14.9. richtig startet. Die meisten Tankstellen sind nur für Lastwagen offen, welche die Baumwolle transportieren. Man könnte zwar Treibstoff bekommen, dieser ist jedoch minderwertig und für unsere Fahrzeuge gefährlich. Dima und Arafat haben also zu tun, uns hochwertigen Diesel zu beschaffen. Als wir die vielen leeren, aber offenen Gastankstellen sahen, beschlich uns der Eindruck, dass dieRegierung die Menschen manipuliert und versucht, durch alljährliche Verknappung von Diesel und Benzig zu erreichen, dass vermehrt auf Fahrzeuge mit Gastanks umgestiegen wird. Der Umbau kostet jedoch rd. 600 US-Dollar. Das ist viel Geld für die Bevölkerung. Gas wird genug im Land gefördert. Mitreisende erzählten nach der Ankunft in Taschkent, dass die Polizei unterwegs ihren Fotoapparat verlangt hätte und alle Fotos von Leuten, die auf den Feldern Baumwolle ernteten, gelöscht...

Samarkand, Polizeikontrollen, Modeschau, Moscheen. Orient pur. 11-12.9.2015.

Während der Fahrt häuften sich Polizeikontrollen. Die Beamten sind jedoch freundlich und spähen gerne in unsere Fahrzeuge. Samarkand ist wunderschön. Orient pur! Wir besuchten Moscheen, von denen keine wie die andere ist, die Gräberstrasse sowie den orientalischen Basar.  Valentina Romanenko empfing uns persönlich und präsentierte während einer professionellen Modeshow die von ihr entworfenen Modelle, welche durchaus bezahlbar sind. Wir Frauen konnten dann auch nicht widerstehen. Ich erstand eine leichte bequeme Pumphose.  Um 21.00 Uhr gingen wir zum Registanplatz und bewunderten die wunderschön beleuchtete Medrese. Ein Anblick wie aus 1001 Nacht. Erstmals betankten wir unsere Fahrzeuge aus Kanistern am Übernachtungsplatz vor dem Hotel, denn während der Baumwollernte bekommt man nur mit Beziehungen guten Diesel. 

Wunderschönes altes Buchara. 13.-14.9.2015.

Besuche von Moscheen, der wunderschönen Altstadt von Buchara, welche abends wie in einem Märchen von 1001 Nacht wirkt, verschiedene Mausoleen, der Palast des Amir Olimxon, der Besuch der Zitadelle von Buchara, der Besuch eines  Marionettenmachers und Musikinstrumentenmachers  und anderes mehr bereitete uns ein Feuerwerk der Eindrücke, die uns geradezu erschlagen haben.

Ayaz-Quala, Wüstenfestung und -fort in der Kysylkum-Wüste. 15.9.2015.

Ayaz-Quala bedeutet „50 Festungen“. Vor rund 2‘000 Jahren standen in der Kysylkum-Wüste auf Hügeln 50 Festungen. Es wird vermutet, diese wurden verlassen, nachdem das Wasser ausblieb bzw. die Wasserläufe ihre Richtung geändert hatten. Wir bezogen unser Lager in einem Jurten-Camp, welches rd. 750 m entfernt von der einzig erhaltenen Ruine einer dieser Festungen stand. Noch vor Einbruch der Dämmerung machten wir uns auf zur Ruine, um dort den Sonnenuntergang zu geniessen. Das Gelände ist überraschend gross. Wir erfuhren, dass die Bewohner hauptsächlich Bauern waren. Verstorbene wurden vor die äussere der beiden Festungsmauern gelegt, bis das Aas ihre Knochen gereinigt hatte, um dann über der Erde beerdigt zu werden. Ca. 60 km westlich von Buchara beginnt die Kysylkum-Wüste. Diese wurde in den Sowjetzeiten mit Erfolg mit Pflanzensamen behandelt, um die Sandmassen zu festigen. 

Chiva, historische Stadt mit beeindruckendem dicken Gemäuer. 16.-17.9.2015.

Wir übernachteten direkt vor der Altstadtmaue der historischen Stadt Chiva auf dem Hotelparkplatz eins Hotels . Chiva ist wunderschön mit all seinen Kuppeln und Gassen. In der Nacht ist sie bunt beleuchtet und wir liessen es uns nicht nehmen, nach dem feinen Seabridge-Essen mit Musikbegleitung nochmals durch diese orientalische Stadt zu schlendern. Am Schluss gings dann etwas schneller durch einige dunkle Gassen, in welchen es mich eher gruselte, sah man doch überall schemenhaft Leute.

TURKMENISTAN. Grenzübergang von Usbekistan. Ab jetzt im Konvoi bis nach Dashoguz. 18.9.2015.

Es gab Abschied zu nehmen von Dima und seinem Schwager Ararat, diesen patenten, hilfsbereiten und kompetenten Teammitgliedern. Das ganze Grenzprozedere war langfädig und bürokratisch und dauerte einen ganzen Tag. Zudem hatte ich extreme Magenkrämpfe und Durchfall. Konnte kaum stehen. Wieder mal war ich sehr froh, über unser Haus auf Rädern mit WC, wie sonst wäre es möglich gewesen, den Grenzübergang zu schaffen? Christina, ein weiteresTeammitglied, unterstützte mich nach Kräften und erreichte, dass ich jeweils nur kurz mit dem Pass und vorbereiteten Papieren raus musste.

Dashoguz. Keine Erinnerung an Stadt, da krank. 19.9.2015.

Schon seit Gestern ab dem Grenzübergang gings weiter im Konvoi. Vorne weg unser Teamfahrzeug, dann die Reisegruppe. Den Schluss bildete ein Fahrzeug des Staates Turkmenistan mit 3 Personen.

Wüste Karakum: Gas und Baumwolle aus der Wüste. Kamele in der Wüste.

80% von Turkmenistan ist von der grössten Wüste Mittelasiens, der Karakum (bedeutet schwarzer Sand) bedeckt. Obwohl die Karakum bereits wenige Kilometer nach Köneurgench beginnt, ist diese erst nach etwa 100 km als solche sichtbar. Wir sehen viele Baumwollfelder in der Wüste. Diese werden vom Wasser des Amurdaja bewässert, welches später dem Aralsee fehlt. Die Karakum in Turkmenistan und die Kysylkum in Nordusbekistan bilden vermutlich das zweitgrösste zusammenhängende Wüstengebiet der Welt. Turkmenistan fördert Gas und Erdöl. Im Zentralkarakum gibt es ungeheure Gasvorkommen.  DieErschliessung ist gut zu sehen., wo das Wasser aus einer Tiefe von mehr als 20 m Tiefe gefördert wird. Dort werden Kamele, Ziegen und Schafe versorgt. Unterwegs war es immer wieder schön, die stets etwas hochmütig aussehenden Kamele (Dromedare mit 1 Höcker) ihres Weges ziehen zu sehen.

Köneurgench, Mausoleum, Darwasa. „Tor zur Hölle“ und Wüstenpicknic,. 20.9.2015.

Wir machen Halt vor einem riesigen, bis heute benutzten Friedhof, in dem ein altes Mausoleum steht. Vor vor den Toren der  Stadt Köneurgench stand vor Jahrhunderten Dschingis Khans Sohn und belagerte diese ein halbes Jahr lang. Die Strasse ist voller Schlaglöcher. Mittlerweile erfahren im Befahren solcher Trassen, erreichen wir alle ohne Schäden unseren Nachtplatz in der Wüste.  Geländegängige Fahrzeuge transportierten uns weiter zum 7 km entfernten Feuerkrater, genannt „Tor zur Hölle“. Hier wurde vor Jahren Gas gefördert. Aus irgendwelchen Gründen - es gibt einige Vermutungen, jedoch keine Gewissheit – explodierte es, ein Krater entstand und darin brennt es nun 30 Jahren. Unsere Reiseleitung hatte hier ein Wüstenpicknic durch Einheimische organisiert. Es gab sehr gute Hammelsuppe und Hammelschaschlik sowie Salate. Vor uns das mittlerweile im Dunklen noch feuriger lodernden „Tor zur Hölle“, über uns der tiefblaue, sternenversetzte Nachthimmel, um uns die stille Wüste. 

Ashgabat. Zentrum aus Marmor, Hauptstadt von Turkmenistan. Hintergrunddaten .

Ashgabat ist eine unglaubliche Stadt. Die äusserst imposanten Gebäude, welche wir zu sehen kriegten, sind alle mit ausländischem weissem Marmor verkleidet. Statuen und Bilder des verstorbenen und des jetzigen Präsidenten sind allgegenwärtig .Die Strassen werden teils nicht nur gewischt, sondern auch von Hand gewaschen. Man sieht hunderte Frauen, welche die Blumenrabatten entlang der Strassen pflegen. Es wurde uns gesagt, dass Frauen, die diese Arbeit 10 Jahre lang leisten, eine Wohnung erhalten. Wenn man bedenkt, dass dies Normalverdienenden sonst nicht möglich ist, kann man verstehen, warum sie sich diese Tortur antun. Im Sommer ist es hier nämlich 50° C heiss. Es gibt seit Jahren ein Baumpflanzprogramm. Alle Staatsangestellten haben die Aufgabe, ein bestimmtes Areal mit Bäumen zu bepflanzen und zu pflegen. Diese Aufgabe kann gegen Bezahlung an weitere weiterdelegiert werden. Es war uns nicht gestattet, Regierungsgebäude, Polizisten und Militär zu fotografieren. Es darf nur an...

Vorbereitungen für unseren Aufenthalt im Iran und den Grenzübergang. 23.9.2015

Wir bereiteten uns auf den Iran vor: Kein Alkohol, keine Produkte aus Schweinefleisch. Es tat weh, so einiges wegzuwerfen! Und für uns Frauen galt:  Keine körperbetonende Bekleidung, Lange Ärmel, Kopftuch tragen. Ein Fortschritt: Socken müssen nur noch  in Moscheen getragen werden. Wie immer in Turkmenistan, werden wir auch morgen im Konvoi fahren, unsere drei Schatten werden dann aber vorneweg fahren.